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Die Phasen der Wundheilung.

Die Wundheilung als biologischer Prozess ist sehr komplex, da der Körper versucht, das zerstörte Gewebe mit dessen ursprünglicher Struktur und Funktion wiederherzustellen. Dabei lässt sich die Wundheilung in verschiedene koordinierte und aufeinanderfolgende Phasen unterteilen. Diese Phasen sind präzise aufeinander abgestimmt und sorgen dafür, dass das zerstörte Gewebe schnellstmöglich wiederhergestellt wird und damit wieder ähnlich belastbar ist wie vor der Verletzung.
 

Diese Phasen werden in der Wissenschaft unterschiedlich dargestellt. Eine der gängigsten Beschreibungen unterteilt die Wundheilung in vier Phasen: Entzündungsphase, Resorptionsphase, Proliferations- oder Granulationsphase und Remodellierungsphase.

Die Entzündungsphase.

Entsteht eine Wunde, kommt es in den ersten Minuten nach der Gewebeverletzung zu einer Blutung. Um einen übermäßigen Blutverlust zu verhindern, ist es für den Körper wichtig, diese Blutung zu stillen. Diese Blutstillung geschieht durch die Blutgerinnung an der Wunde und ist zeitgleich der Beginn der Wundheilung. Dieser Prozess wird Hämostase genannt.
 

Die Hämostase besteht aus einer ersten fünf bis zehnminütigen Phase, in der es zu einer Gefäßverengung (=Vasokonstriktion) kommt. Blutplättchen verkleben zwischen Gewebe außerhalb der Verletzung und den Außenrändern des verletzten Gewebes und bilden so einen ersten Verschluss der Wunde. Dieser Teil der Hämostase wird auch als primäre Hämostase oder zelluläre Hämostase bezeichnet.
 

In einer zweiten, etwa einstündigen Phase, der sekundären oder auch plasmatischen Hämostase, findet eine Gefäßerweiterung (=Vasodilatation) statt. In dieser Phase wird der bereits gebildete Wundverschluss durch ein gitterartiges Netz aus Fibrin verstärkt, welches die Grundlage für neues Gewebe bildet. Zudem kommt es zu einer Einwanderung und Aktivierung weißer Blutzellen, welche die Resorptionsphase einleiten.

Die Resorptionsphase.

Die zweite Phase der Wundheilung, die Resorptionsphase, ist vereinfacht gesagt von Aufräum- und Reinigungsfunktionen geprägt. Beschädigte oder abgestorbene Zellen werden von weißen Blutzellen (=Leukozyten) vernichtet und möglicherweise eingedrungene Mikroorganismen werden beseitigt. An diesen Vorgängen sind vor allem Granulozyten und Gewebsmakrophagen als Teil der weißen Blutzellen beteiligt.
 

Neben ihrer Schlüsselfunktion bei der Wundreinigung vermitteln Leukozyten den Übergang zur Proliferationsphase, indem sie zahlreiche Wachstumsfaktoren und Zytokine bilden. Diese Faktoren machen eine geordnete Rekrutierung und Vermehrung von Bindegewebszellen (Fibroblasten) und Blutgefäßzellen (Endothelzellen) und damit die Bildung von Granulationsgewebe möglich.

Die Proliferationsphase.

Vier bis fünf Tage nach der Gewebeverletzung setzt die Wiederauffüllung der Wunde mit frischem Granulationsgewebe bestehend aus einsprossenden Blutgefäßen, Fibroblasten und neu geformter extrazellulärer Matrix ein. Die sich vermehrenden Fibroblasten produzieren Kollagen, ein wichtiges Wundprotein, das außerhalb der Zellen zu einem Kollagennetzwerk ausreift und für die mechanische Festigkeit der Wunde sorgt.
 

Die folgenden Tage dienen dazu, den bereits bestehenden provisorischen Wundpfropf mit Granulationsgewebe zu durchdringen und vollständig zu ersetzen bis am Ende die Wunde wieder vollkommen mit Gewebematerial verschlossen ist. Damit ist die Integrität der Haut wiederhergestellt und es wird verhindert, dass Verunreinigungen oder Mikroorganismen in die Wunde eindringen und den Wundheilungsprozess verzögern.
 

Um diesen Vorgang erheblich zu beschleunigen, kommt es zeitgleich zu einer Wundkontraktion. Hierbei findet keine Gewebeauffüllung statt, sondern die gesunden Wundränder nähern sich aktiv aneinander an. Dadurch verkleinert sich der Umfang der Wunde.

Die Remodellierungsphase.

In der letzten Phase der Wundheilung, der Remodellierungsphase, erfolgt die Umwandlung des Granulationsgewebes zur Narbe. Es findet ein langsamer Umbau des Bindegewebes statt, weshalb diese abschließende Phase der Wundheilung bis zu zwei Jahre dauern kann.
 

Das in den ersten Wochen der Wundheilung entstandene Gewebe wird durch stabileres Gewebe ersetzt und es bildet sich eine Narbe. Hierbei kommt es zur Bildung von stabilerem Kollagen, welches sich durch Quervernetzung weiter verfestigt und die heilende Wunde stärkt. Das Narbengewebe wird jedoch niemals wieder so stabil wie gesundes, unverletztes Gewebe.

Zwei Wochen nach einer Gewebeverletzung hat die heilende Wunde in etwa fünf Prozent ihrer ursprünglichen Belastbarkeit erreicht, nach vier Wochen im Durchschnitt 40 Prozent. Und selbst wenn die Wundheilung optimal und ohne Komplikationen oder Verzögerungen abläuft, erreicht die Narbe im Durchschnitt nur rund 80 Prozent der ursprünglichen Reißfestigkeit.
 

Mit der Zeit verändert sich die anfangs gefäßreiche und daher rot gefärbte Narbe hin zu einer blasseren, gefäßarmen Narbe.

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